AgonLight: Der schnellste 8-Bit-Mikrocomputer der Welt im Test

Schaut man sich den AgonLight kurz an, dann kann man den leicht mit einem Raspberry Pi verwechseln. Der AgonLight ist aber weder ein Raspi, noch ein Arduino. Er ist ein vollständiger 8-Bit-Computer mit einem klassischen „Bare-Metal / Instant-On“-Design, das 2022 von Bernardo Kastrup (bekannt durch den YouTube-Kanal „The Byte Attic“) initiiert wurde. Sein Ziel: Ein echtes 8-Bit-Erlebnis ohne Bootzeiten, das gleichzeitig leistungsfähig genug für moderne Projekte ist.

agonlight von oben

Was ist das AgonLight-Projekt? #

Bernardo Kastrup entwarf das AgonLight oder kurz Agon als offenes Ökosystem. Die Hardware und Firmware sind zu 100 % quelloffen, was zu verschiedenen kommerziellen Varianten wie von Olimex oder Console8 geführt hat.

Das Herzstück ist eine Dual-Chip-Architektur: #

eZ80 CPU: Ein Z80-kompatibler Prozessor, der mit bis zu 50 MHz taktet und 24-Bit-Adressierung ohne kompliziertes Bank-Switching ermöglicht. Und wer baut den? Zilog! Ja, genau die Firma, die 1976 den ursprünglichen Z80 entwickelt und hergestellt hat. Der Prozessor, der den Game Boy antrieb, das Master System, genauso wie die Sinclair Heimcomputer oder den TRS-80. Damit war er Teil der ursprünglichen 8-Bit-Trinity und Wegbereiter für alle modernen PCs.


Quelle:

ESP32 VDP: Ein Co-Prozessor, der sich rein um Grafik, Sound und I/O kümmert. Du kennst den ESP32 wahrscheinlich als das „Arbeitstier“ aus der Arduino- und Maker-Szene. Er ist das Herzstück unzähliger Bastelprojekte, von der WLAN-gesteuerten Wetterstation bis hin zur komplexen Sensor-Logik. Im AgonLight übernimmt er die Rolle des Video Display Processors (VDP) und ermöglicht dem Z80 Funktionen, die bei 8-Bit-Systemen undenkbar waren: Er stellt VGA-Grafik bereit, steuert die Sound-Engine mit echtem Sample-Playback und regelt die Kommunikation mit modernen USB-Tastaturen oder SD-Karten. Damit schlägt er die Brücke von der klassischen 8-Bit-Logik zu aktueller Hardware und Programmierung.

Das System bootet in Millisekunden direkt in das interne Betriebssystem (MOS) oder den BBC BASIC Interpreter.

Warum Ich mich mit dem AgonLight beschäftige? #

Meine Motivation ist simpel: Ich möchte die Technik hinter Computern wirklich verstehen. Moderne Systeme sind so komplex, dass man kaum noch bis auf die Hardware-Ebene durchdringt.

Beim AgonLight ist das anders. Du hast direkten Zugriff auf die Hardware, ohne dass ein schwerfälliges Betriebssystem und dutzende Layer die Hardware vom User weg-abstrahieren. Durch die Arbeit mit einem 8-Bit-System sieht man, wie CPU, Speicher und Register wirklich zusammenarbeiten. Es ist die perfekte Brücke, um die Grundlagen von Computern an echter, physischer Hardware zu verstehen und anzuwenden.

Programmierung auf dem Agon #

Beim AgonLight gibt es mehrere Wege, um eigenen Code zum Laufen zu bringen:

BBC BASIC #

Das System nutzt eine Portierung von R.T. Russell, dem Original-Autor des BBC BASIC. Es ist einer der schnellsten Interpreter überhaupt und unterstützt strukturiertes Programmieren mit WHILE/ENDWHILE oder PROC/FN. Damit kann man fast vollständig auf den Spaghetti-Code, den man aus anderen Basic-Varianten kennt, verzichten.

Inline-Assembler #

Das absolute Highlight für performance-kritische Funktionen: Du kannst Z80-Assembler direkt im BASIC-Code schreiben. Ein integrierter Zwei-Pass-Assembler übersetzt deine Befehle direkt in Maschinencode. Das ist ideal für zeitkritische Grafikroutinen oder die direkte GPIO-Ansteuerung. Diese Methode bietet auch wieder Labels und Sprungmarken statt kryptischer Adressoperationen und Peeks und Pokes.

C/C++ Entwicklung #

Für größere Projekte gibt es eine aktuelle Toolchain basierend auf LLVM/eZ80-Clang. Damit lassen sich komplexe Anwendungen in C schreiben, die nur durch die Geschwindigkeit und RAM-Größe der eZ80-CPU möglich werden.

Was Du mit dem AgonLight machen kannst #

Die Plattform bietet weit mehr als nur Retro-Spielereien. Hier sind einige Projektideen:

"Next-Gen" 8-Bit Spiele: Mit 60 FPS und Hardware-Sprites sind Spiele auf einem Niveau zwischen C64 und PC-Engine möglich. Hier ein paar Beispiele:

Vezza: Spiele klassische Infocom-Textadventures.

Oregon Trail: Der Klassiker, portiert vom BBC Micro.

Elite Demo: Ein technischer Einblick in das Weltraum-Epos.

Hardware-Hacks: Über die 34-Pin GPIO-Leiste kannst du Sensoren und Aktoren direkt ansteuern. Du kannst UEXT-Module nutzen, um z. B. Bewässerungssteuerungen oder Robotik-Projekte umzusetzen.

Retro-BBS: Der ESP32 kann WLAN-Verbindungen aufbauen, was den Agon zum perfekten modernen Telnet-Terminal für Mailboxen macht.

Lernstation: Er ist das ideale Werkzeug, um Assembler von Grund auf zu lernen.

Hier mein Agonlight im 3D-gedruckten Gehäuse:
agonlight im Gehäuse und mit Tastatur

Mach mit bei uns im Verein! #

Unter uns Retro-Fans: Wer ein echtes Bastelsystem sucht, das sofort einsatzbereit ist und Raum für Tüfteleien bietet, sollte sich das AgonLight definitiv anschauen.

Wir im Verein suchen immer Leute, die Lust haben, gemeinsam Programmierprojekte mit dem AgonLight oder anderen Retro-Systemen durchzuführen. Egal ob du ein Spiel entwickeln, Hardware ansteuern oder dich in Assembler vertiefen willst – komm vorbei und lass uns gemeinsam an den Maschinen schrauben. Retro-Mittwoch